Was ist Assistenz?

Eine immer wieder gestellte "Kernfrage" kann jedoch im Vorfeld beantwortet werden: Was unterscheidet Assistenz von anderen Alternativen der Hilfesicherung? Der Begriff Assistenz wird tatsächlich als positiv klingendes Schlagwort häufig gerade von denen benutzt, die alle möglichen Hilfen anbieten und leisten, nur eben keine Assistenz.

Auf Hilfe angewiesene (behinderte) Menschen haben vor gut zwanzig Jahren begonnen, nach Alternativen zu suchen, die es ihnen auch mit sehr hohem Bedarf an personeller Unterstützung ermöglichen, in Selbstbestimmung, also so "normal" wie möglich zu leben. Dies war der Weg zum Arbeitgeber- oder Assistenzmodell.

Bei diesem Modell beschäftigt der (behinderte) Mensch seine AssistenInnen in abhängigen Arbeitsverhältnissen. Als Basis dient ein "Betrieb im eigenen Haushalt". Damit verfügen (behinderte) ArbeitgeberInnen über alle Kompetenzen, die Assistenzleistungen von anderen Hilfeleistungen unterscheiden. Dies sind die Personal-, Weisungs-, Zeit-, Orts-, sowie die Finanzkompetenz. Das bedeutet, der (behinderte) Mensch sucht seine AssistentInnen, in der Regel Laienkräfte, auf dem freien Arbeitsmarkt, weist sie selbst in die Tätigkeiten ein und bestimmt selbst, wo, wann und wie die Hilfen erbracht werden.

Außerdem verhandelt der (behinderte) Mensch selbst mit den jeweiligen Kostenträgern wie z.B. dem örtlichen Träger der Sozialhilfe, um die Kostenübernahme zu sichern. Die AssistentInnen haben als Ansprech- und (Arbeitsvertrags-)partnerInnen ausschließlich mit den (behinderten) ArbeitgeberInnen und nicht mit den Kostenträgern zu tun.

Der Begriff der Assistenz wird also zur Differenzierung von selbstbestimmten Hilfen zu mehr oder weniger fremdbestimmenden Hilfeleistungen verwendet. Er beschreibt sehr deutlich, dass passive Fürsorgeobjekte zu agierenden Subjekten mutieren, die ihren Alltag eigenverantwortlich organisieren wollen und können.

Andere Hilfeleistungen sind in der Regel von Fremdbestimmung, aber auch strukturellen Zwängen, wie Einhaltung von Dienstplänen, knappen Personalschlüsseln in Einrichtungen usw. geprägt. Den Alltag eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu gestalten, ist dabei nur sehr eingeschränkt bis gar nicht möglich, die Lebensqualität dem entsprechend reduziert.

 

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